Von Tirana nach Frankfurt
Montag, 23. Juni 2008 | Von Gabi Huckelmann | Kategorie: 2008 - AlbanienIch bin wieder daheim.
Ich bin wieder daheim.
Kruja ist das Nationalheiligtum Albaniens. Hier stand die Burg von Iskander Bey, genannt Skanderbeg, dem Nationalhelden, der Mitte des 15. Jahrhunderts für viele Jahre Albanien den Osmanen entrang und zum ersten Mal für so etwas wie ein geeinigtes Albanien sorgte.
Zurück in Tirana nutzte die verbleibende Zeit am Nachmittag noch für einen Besuch im Nationalmuseum, das albanische Geschichte von der Steinzeit bis zum Ende des kommunistischen Regimes 1992 dokumentiert. Leider ist auf englisch nur teilweise dokumentiert, so betrachte ich die Bilder und stelle fest, das es viele schlechte Zeiten gab – den Zeiten mit Helden sind schlechte Zeiten. Die Zeit des kommunistischen Regimes ist hauptsächlich dargestellt durch die Demonstrationen, die dieses zum Ende gebracht haben. Die Albaner bezeichnen die Zeit des Regimes als Genozid und verdeutlichen dies mit einer dort aufgebauten Einzelzelle aus einem Gefängnis, ausgestattet mit einer Decke, einem Ring um die Gefangenen festzuketten und blutverschmierter Wand. Vierzig Jahre aus dem Blickfeld der Welt verschwunden sind dort viele schlimme Sachen passiert und der Hunger war groß.
Die Sonne brennt die Strandpromenade leer und es ist so heiß, das man es auch unter dem Schirmen im Café nicht aushalten kann. Zeit also für eine ausführliche Siesta, die ich nur für einen kurzen Besuch im archäologischen Museum von Durres gegen eins unterbreche. Das Museum liegt nur ein paar Meter vom Hotel und beherbergt Schätze aus griechischer und römischer Zeit. Der Untergrund von Durres ist Kulturdenkmal und birgt mit Sicherheit noch viele Geheimnisse. Nur graben kann man dort nicht systematisch, denn die Stadt ist seit der Antike fast durchgehend bebaut. Die Archäologen nutzen also ihre Chance immer dann, wenn irgendwo einen Baugrube ausgehoben wird. Auf diese Weise wurde auch das größte Amphitheater des Balkans außerhalb Griechenland entdeckt. Ein Amphitheater, in dem auch Gladiatorenkämpfe und Tierkämpfe stattgefunden haben. Die Gänge zu den Tierverschlägen kann man heute noch besichtigen. Kommt man aus der gleißenden Nachmittagssonne – wie ich so gegen fünf Uhr nachmittags – sind sie dunkel und ein bisschen unheimlich. In einer Ecke des Theaters finden sich auch Überreste einer kleinen christlichen Basilika aus späterer Zeit mit Mosaiken. In der Mitte des Theaters steht heute ein Haus aus neuerer Zeit, um das die Schwalben kreisen.
Unser Hotel liegt recht nah am Flußufer am Rande des muslimischen Viertels, das wir auf dem Weg hinauf zur Festung durchquerten. Ein Mann steht vor einem der Bars und tauscht sich mit ein paar Leuten an den Tischen über die Qualität der lebenden Gänse aus, die kopfüber an seinem Arm hängen und wohl für den Mittagstisch gedacht sind. Und amüsierte sich ziemlich, das ich ein Foto machen möchte.
In engen Serpentinen geht es von Sarande entlang der Küstenstraße und dann ein Stück ins Land hinein nach Berat. Eine lange Fahrt heute, von früh um halb Acht bis Abends um kurz nach Sechs. Die Straße ist im Bau, aber selbst auf den neuen Strecken passen Bus und Bus kaum aneinander vorbei. Molnia, unserer Fahrer, leistet ganze Arbeit und weder wir noch die Autos, die uns entgegenkommen, enden mit Schrammen an den Felswände oder einem unfreiwilligen Bad samt Fahrzeug im Meer. Der Applaus für ihn Abends kommt von Herzen und aus voller Seele.